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April 22, 2026

Im Interview: Tobias Buck-Gramcko „Es hat viel Willenskraft gekostet"

©German Cycling Mareike Engelbrecht

Tobias Buck-Gramcko gehörte Ende Januar 2025 zum deutschen Nationalteam, das in den schweren Trainingsunfall auf Mallorca verwickelt war. Den 25-Jährigen traf es besonders hart, zudem erlitt er im Anschluss weitere Rückschläge. Fast anderthalb Jahre arbeitete er an seinem Comeback – nun ist es soweit: Er ist mit der deutschen Nationalmannschaft zu den Bahn-Weltcups in Hongkong und Nilai gereist.
 
„Der Unfall auf Mallorca war sicher eine Erfahrung, die man nicht machen möchte“, erzählt Buck-Gramcko, der bis dahin fester Bestandteil des deutschen Bahn-Vierer war. Ein 89-jähriger Autofahrer war von hinten in die Trainingsgruppe gefahren, sechs Fahrer wurden teils schwer verletzt. Buck-Gramcko hatte sich mehrere Wirbel gebrochen und musste mehrmals operiert werden. „Wenn man mit gebrochener Wirbelsäule im Krankenhausbett liegt und die Decke anstarrt, ist es erst einmal gar nicht relevant, wann man wieder Radrennen fahren kann, sondern ob man überhaupt wieder laufen kann“.
 
Auch nach den Operationen sei es für ihn anfangs kaum vorstellbar gewesen, wieder aufs Rad zu steigen. Als sich erste Fortschritte einstellten, durfte er weitere drei Monate nicht trainieren. Neben der Reha nutzte Buck-Gramcko diese Zeit, um darüber nachzudenken, wie es für ihn weitergehen soll – ob er überhaupt noch weiter Radprofi sein will. „Grundsätzlich denke ich schon seit Jahren darüber nach, wann ich aufhören will, aber vor allem die Prioritäten haben sich jetzt geändert. Gesundheit und Spaß sind mir jetzt viel wichtiger und das steht leider manchmal auch im Konflikt mit dem Leistungssport Radsport, aber ich habe gelernt, dass das der langfristig bessere Weg ist.“
 
Der 25-Jährige hat sich letztendlich für den Radsport entschieden – und die Entscheidung war eine bewusste: „Ich wollte selbst bestimmen, wann und wie ich aufhöre und nicht als letzte Erinnerung an meinen Leistungssport dieses Jahr 2025 haben. Ich finde, ich habe einen mega Job, denn ich werde fürs Radfahren bezahlt und das ist in vielen Momenten ein wahnsinniges Privileg. Zum Beispiel fahren andere im Urlaub ins Trainingslager, für mich ist das meine Arbeit! Ich habe Spaß dabei und es tut mir gut.“
 
Schon als Junior gehörte Tobias Buck-Gramcko zu den besten deutschen Bahnradsportlern, wurde Weltmeister im 1000-Meter-Zeitfahren, in der Einerverfolgung sowie in der Mannschaftsverfolgung – und war Teil des ersten U19-Vierers, der die 4-Minuten-Marke knackte. Auch in der Elite-Klasse etablierte er sich schnell im Vierer und verbesserte mit ihm die gefahrenen Zeiten stetig. 2024 erfüllte er sich den Traum der Olympia-Teilnahme.
 
Doch Buck-Gramcko weiß auch, dass er diese – seine so sehr geliebte – Arbeit nicht ewig machen kann. Und darauf ist er vorbereitet, denn seit jeher studiert er parallel zum Radsport und hat auch schon mehrere Semester im Ausland verbracht. Momentan befindet er sich im Master-Studiengang Management, mit dem Schwerpunkt Finanzen. „Sobald ich den Radsport nicht mehr machen möchte, weiß ich sofort wie es weitergehen kann. Daher fahre ich wirklich nur weiter, weil ich es will – und nicht, weil ich es muss.“
 
Just als der Göttinger im Sommer 2025 wieder bereit war, ins Renngeschehen einzusteigen, ereilte ihn der nächste Rückschlag. Kurz vor der Deutschen Bahn-Meisterschaft Ende Juni stürzte erneut schwer: Schulter- und Schlüsselbeinbruch waren die Diagnose – wieder Pause. Doch er ließ sich nicht unterkriegen, arbeitete fleißig weiter – und wurde dann im November, als er sich bereits auf die Bahn-Europameisterschaften 2026 vorbereitete, vom Pfeifferschen Drüsenfieber ausgebremst. Die EM fiel damit ebenfalls für ihn aus. „Das Jahr lief natürlich ganz anders, als ich mir das vorgestellt habe. Es hat viel Willenskraft gekostet, nicht aufzugeben“, so Buck-Gramcko, der sein letztes Rennen kurz vor Weihnachten 2024 bei den Deutschen Omnium-Meisterschaften in Frankfurt an der Oder bestritt.
 
Und diese Willenskraft hat ihn nun als letzten der auf Mallorca verunfallten Fahrer zurück in die deutsche Bahn-Nationalmannschaft gebracht. Beim Weltcup in Hongkong kam Buck-Gramcko noch nicht zum Einsatz, im malaysischen Nilai soll es am kommenden Wochenende aber soweit sein. „Ich bin immer optimistisch, daher habe ich mir definitiv mehr erwartet. Aber auf den letzten Metern der Vorbereitung habe ich wieder gesundheitlich etwas zu kämpfen, und deswegen läuft es noch nicht so wie ich mir das gewünscht habe. Ich bin aber trotzdem gut in Form und das Ziel war einfach, wieder voll im Vierer dabei zu sein. Und ich freue mich, dass ich endlich wieder dabei bin.“

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